Du vergißt in deinem netten Beispiel die Pistole, die du mir auf die Brust gesetzt hast. Denn wenn ich dein Angebot nicht annehme, muß ich schlicht verhungern.
Tja, dann muss ich aber auch verhungern, denn mir gehört zwar das Land, aber wenn mir keiner das Gold ausgräbt hab ich auch nichts davon. Wenn ich einfach jemand anderen anheuere der gräbt guckst Du natürlich erstmal dumm, aber wenn sich alle, die gerne graben wollen in einer Gewerkschaft zusammenschließen und die mir dann sagt, wir graben, aber nur für 1.000 € dann muss ich kompromißbereit sein.
Hatz IV ist ein Begriff, oder? Da ist nichts mit 'nein' es sei denn, du kommst damit klar, daß deine Ansprüche (eher Almosen) schrittweise auf null reduziert werden. Für die gibt es auch keine Gewerkschaft, weil die sich die Beiträge in der Regel nicht leisten können, außerdem kann eine Gewerkschaft mit Arbeislosen nichts anfangen, es gibt keinen Gegner.
Und du scheinst die Mechanismen der Existenzangst gehörig zu unterschätzen. Frag mal Leute, die noch Arbeit haben, zu was sie alles bereit sind, nur damit sie diese Arbeit um jeden Preis behalten können. Freiwilliger Lohnverzicht und unbezahlte Überstunden werden mancherorts langsam zur Regel, nicht zur Ausnahme.
Oder frag mal z.B. einen Sicherheitsdienstleister, der keine andere Wahl hat, als für unter 5€/Std. zu arbeiten und dafür seine Gesundheit oder sogar sein Leben auf's Spiel setzt, jeden Tag.
Und das sind keine Ausnahmen, in manchen Branchen kann man froh sein, wenn man noch so viel bekommt, es sind halt nicht alle Menschen hochqualifizierte Arbeitnehmer und die ungelehrnten will auch keine mehr haben, warum auch, wenn du für's gleiche Geld einen Haupt- oder Realschüler bekommen kannst? Oder mit Glück sogar mal einen Abiturienten.
Jemand der Hartz4 hat braucht auch keine Gewerkschaft, weil er mit niemandem verhandeln muss, wieviel er bekommt.
Für alle anderen gilt was ich schon gesagt habe, wer mehr Lohn will, soll besser verhandeln. Wie wäre es denn mal, ein Unternehmen richtig zu bestreiken? Also nicht 10 % Belegschaft 2 Stunden nicht arbeiten lassen sondern alle und das für ein paar Tage. Da kommt ganz schnell Bewegung in die Sache und die nächste Gehaltserhöhung für die Chef-Etage im zweistelligen Prozentbereich kommt nicht, weil nämlich in unserer schnelllebigen Zeit beim Totalboykott die Firma bald gar nicht mehr da ist.
Gute Frage, stell die am besten auch mal einem Arbeitslosen, einem, der seit knapp 4 Jahen arbeitslos ist und zu alt um eine neue, halbwegs vernünftige Arbeit zu finden.
Diese Menschen soll es tatsächlich geben und zwar nicht zu knapp.
Nein, die Frage stell ich Dir, weil Du vorgeschlagen hast, dieses Leben zu instituationalisieren, wenn auch mit ein bischen mehr finanzieller Freiheit als vorher.
Tja, wärest du dann im Gegenzug dazu bereit, auf 1/4 deines Gehaltes zu verzichten, natürlich dann mit mehr Freizeit? Ich bezweifle es, denn dann kann man sich in der Regel seinen Lebensstandart nicht mehr leisten. Also, wärest du dann bereit, deinen Lebensstandart zu senken, freiwillig, für das Wohl Anderer?
Wenn ja, wäre das eine tolle Sache, aber leider sicher die Ausnahme.
Ich behaupte mal, bei z.B. Golbin würde sich die Frage erübrigen, die Antwort wäre wohl ein klares 'Nein!'.
Würde z. B. ein Ackermann auf (in dem Fall wohl angemessene) 9/10 seines Gehaltes verzichten?
Halte ich ebenfalls für sehr unwahrscheinlich, aber ohne die Topverdiener ist das mit der simplen Arbeitsumverteilung so eine Sache.
Hier kommen wir wieder zum Kern der Sache, der Punkt, an dem sich entscheidet, ob Bürgergeld gerecht oder sinnvoll ist udn ob es überhaupt funktionieren kann.
1. Es gibt nicht genug Arbeit für alle.
2. Es gibt daher Menschen, meistens die am schlechtesten qualifizierten, die keine Arbeit haben.
3. Folge: Sie müssen ihren Lebensunterhalt von denen bekommen, die arbeiten. Auf welchem Umweg spielt keine Rolle, nur wer arbeitet schafft materielle Werte und nur von denen kann man leben.
a) Heutige Situation: Diese Menschen bekommen zuerst ALG1 irgendwann ALG2(Hartz4). Sie bekommen Geld vom Staat. Der Staat nimmt es denen die arbeiten.
b) Situation mit Bürgergeld: Die Menschen die keine Arbeit bekommen weil keine da ist, bekommen immer noch Geld vom Staat nur jetzt mehr als vorher. Die die arbeiten bekommen zwar auch dieses Geld, aber unterm Strich bleibt ihnen als Gruppe weniger in der Tasche, weil die die nicht arbeiten jetzt mehr bekommen. Ein kleiner Arbeiter der mit 1.500 € heimgeht und jetzt noch 1.000 € Bürgergeld bekommt steht dadurch natürlich auch besser da, selbst wenn die Steuern fürs Bürgergeld erhöht werden müssten. Das heißt irgendjemand muss tatsächlich auf Einkommen verzichten, es werden vor allem Menschen mit hohem Einkommen sein.
Ausser natürlich es finanziert sich alles über Bürokratieabbau, aber selbst dann findet immer noch dieselbe Umverteilung statt und man verzichtet sozusagen weiterhin auf das Einkommen, das man nie gehabt hat, weil man mit diesem Anteil diejenigen versorgen muss die nur vom Staat leben.
Natürlich gibt es sehr viele Menschen die den ganzen Tag arbeiten und einfach nicht auf 1/4 ihres Lohns verzichten können. Aber das liegt daran, dass die Löhne zu niedrig sind, denn:
Wir erwirtschaften mehr als genug Güter zum Überleben und das mit so wenig Arbeitskraft, dass einige gar nicht mehr gebraucht werden. Während wir also gleichzeitig einen derartigen Überfluss haben, dass wir einige Millionen problemlos miternähren können haben wir gleichzeitig Menschen die sehr viel arbeiten und trotzdem nur gerade mal so mit ihrem Geld auskommen.
Hier liegt ein Widerspruch vor, irgendwo gibt es ein Leck im System und das ist unser eigentliches Problem. Das können zu hohe Gehälter an anderer Stelle sein, vermutlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle.
Zusammenfassend kann man sagen, dass durch Einführung des Bürgergeldes zwei Umverteilungen geschaffen/verstärkt werden: Die von arbeitenden zu nicht arbeitenden Menschen und die von Arbeitenden mit hohem Einkommen zu Arbeitenden mit niedrigem Einkommen. [Die Umverteilung innerhalb der Arbeitenden wäre aber gar nicht nötig, wenn es nicht diese Differenzen vom Managergehalt zum Wachmann mit 5,- € in der Stunde gäbe. Schafft man also diese Differenz ab, muss man hier schon wieder weniger "eingreifen" von Seiten des Staates. Dadurch ließe sich auch das Problem lösen, dass manche nicht 1/4 abgeben können, würde die weniger-Arbeit-für-alle-Lösung etwas möglicher machen.]
Als Effekt bleibt am Ende übrig, dass die nicht arbeitenden besser dastehen als heute und zwar deshalb, weil man ihnen nicht mehr die Schuld an ihrer Situation gibt, sondern die Umstände (nicht genug Arbeit) verantwortlich macht.
Das führt natürlich dazu, dass sich Arbeitslose noch viel schneller mit ihrer Situation abfinden oder sogar voll und ganz zufrieden sind. Es besteht zudem die Gefahr, dass sich da eine Schicht verfestigt, die wir heute schon kennen und die Goblin etwas drastisch als Gesocks bezeichnet hat. Die heutigen Arbeitslosen stellen ja auch nicht die Überlegung an, sie hätte keine Arbeit weil nicht genug da ist und müssten deshalb mit ihrem Leben was sinnvolles anfangen. Ganz im Gegenteil, viele Leute driften immer mehr ab, erziehen ihre Kinder nicht mehr usw. usw.. Mit Geld umgehen können sie auch immer weniger, das heißt wenn man ihnen mehr gibt, führen sie deswegen auch kein Leben, das der Gesellschaft insgesamt zuträglicher wäre als ihr jetziges.
Die Option der Arbeitsverteilung erscheint mir da viel vernünftiger, denn wenn das Bürgergeld durch Umverteilung finanziert werden kann, dann kann man dadurch auch finanzieren, dass jemand mit 4 Stunden Arbeit am Tag gut auskommt.
Hi!
@Arkas
Ich persönlich kann deine Meinung gut akzeptieren, vor allem, weil sie anscheined gut durchdacht ist (und es zeigt mir dadurch auch, daß wir grundsätzlich auf der selben Seite stehen, wir haben eingesehen, daß es so nicht weitergehen kann und etwas geändert werden muß).
Aber gerade dann sind dir auch die Probleme bekannt.
Und ich finde, vor allem das ist dabei das Poblem:
Das wird doch schon seit Ewigkeiten versucht und irgendwann sollte man einfach akzeptieren, daß es offensichtlich gescheitert ist, daß es nur kurzfristige Besserungen schaffen kann, die dann wieder langsam rückgängig gemacht werden.Die Option der Arbeitsverteilung erscheint mir da viel vernünftiger, denn wenn das Bürgergeld durch Umverteilung finanziert werden kann, dann kann man dadurch auch finanzieren, dass jemand mit 4 Stunden Arbeit am Tag gut auskommt.
Und wenn das gescheitert ist und offensichtlich nie funktionieren wird, dann muß man ganz einfach etwas anderes versuchen, sonst wird sich an der jetzigen Situation auch nie etwas ändern können.
bis denn!
dark knight13
Hallo,
da hab ich heute so nen langen Text geschrieben und nun taucht er nicht hier auf. Naja egal.
Nur eins noch @Arkas: Dein Leck im System liegt wohl im Geld/Zinssystem begründet.
LG Twin
Das wird doch schon seit Ewigkeiten versucht und irgendwann sollte man einfach akzeptieren, daß es offensichtlich gescheitert ist, daß es nur kurzfristige Besserungen schaffen kann, die dann wieder langsam rückgängig gemacht werden.
Und wenn das gescheitert ist und offensichtlich nie funktionieren wird, dann muß man ganz einfach etwas anderes versuchen, sonst wird sich an der jetzigen Situation auch nie etwas ändern können.
So konsequent wie ich mir Dinge vorstellen kann wurde das nie versucht ;D
Ein ähnliches Problem könnte aber auch mit Bürgergeld auftauchen, nur ne kurze mögliche Kausalkette die mir eben durch den Kopf ging, will nicht groß drüber diskutieren:
Bürgergeld höher als Hartz4 -> mehr Arbeitslose aus freier Entscheidung -> Arbeitskräftemangel -> steigende Löhne -> relativer Wert des Bürgergeldes sinkt -> Bürgergeld auf Hartz4 Niveau (nicht von den Gütern die man damit kaufen kann, aber im Vergleich zum Einkommen der Arbeitenden) -> Neue Forderung nach mehr Lebensqualität
Ich persönlich kann deine Meinung gut akzeptieren, vor allem, weil sie anscheined gut durchdacht ist (und es zeigt mir dadurch auch, daß wir grundsätzlich auf der selben Seite stehen, wir haben eingesehen, daß es so nicht weitergehen kann und etwas geändert werden muß).
Absolut, ich hätte auch nichts dagegen, das Bürgergeld für nen Probelauf einzuführen, dann sieht man ja was passiert, sterben wird schon keiner ;D
@ Twin
Ja das nervt ohne Ende, ich kopier den Text in Foren immer zur Sicherheit in die Zwischenablage falls irgendwas schief geht und alles weg ist ^^.
Ja, Zinssystem, korrekt.
Noch was grundsätzliches:
Mir gehts bei solche Ideen nie darum, an unserem "System" Fehler zu korrigieren oder irgendwas besser zu machen. Ich bin davon überzeugt, dass unser Wirtschafts- und Finanzsystem zusammenbricht, wenn man es dem freien Spiel der Kräfte des Marktes überlässt, ausser man baut über Nacht alles um (OneWorld etc.).
Deshalb diskutiere ich solche grundlegenden Systemfragen zumindest für mich persönlich immer vor dem Hintergrund, dass alles komplett neu aufgezogen werden muss und man dabei natürlich immer den perfekten Staat im Hinterkopf hat, nämlich den ohne Verfallsdatum 😉
Wenn ich nochmal einstreuen darf, dass NIEMAND! zur Arbeit gezwungen wird.
Wer nicht arbeiten will, darf gerne sein Leben leben, es steckt ihn doch keiner ins Kohlebergwerk zur Zwangsarbeit.