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Geschichtsfälschung??!!

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(@andreas)
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Krasse Fehler und Geschichtsfälschungen
Vatikan-Experte kritisiert Goldhagens Buch zu Kirche und Holocaust
Von Ludwig Ring-Eifel / Kipa

Rom, 4.10.02 (Kipa) Peter Gumpel SJ, Historiker und Untersuchungsrichter in der vatikanischen Heiligsprechungs-Kongregation, hat das jüngste Buch des amerikanischen Publizisten Daniel Goldhagen über die katholische Kirche und den Holocaust scharf kritisiert. In einem Interview mit CIC warf er dem Autor vor, er betreibe Geschichtsfälschung und komme zu krassen Fehleinschätzungen.

Kipa: Goldhagens neues Buch sorgt derzeit für einigen Wirbel. Welche Vorwürfe erhebt der Autor gegen die katholische Kirche?

Peter Gumpel: Zuerst einmal muss man wissen, dass Goldhagen kein Historiker ist. Entsprechend geht er mit dem Thema um. Für seine Thesen bemüht er in der Regel kein Quellenmaterial, sondern zitiert vorwiegend aus anderer Sekundär-Literatur, deren Autoren für ihre antikatholische Einstellung bekannt sind. Dabei greift er auch auf Hypothesen zurück, die in der Geschichtsforschung längst widerlegt sind, aber das stört ihn nicht. Es ist also kein Wunder, wenn er zu krassen Fehleinschätzungen kommt.

Kipa: Können Sie Beispiele nennen?

Gumpel: Nehmen wir das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und der Reichsregierung unter Hitler. Goldhagen behauptet fälschlicherweise, es sei der erste völkerrechtliche Vertrag gewesen, der Hitler zur internationalen Anerkennung verholfen habe. In Wirklichkeit gab es vorher schon Verträge mit anderen Mächten. Er behauptet auch, Papst Pius XII. habe einen Sieg Hitlers im Krieg gewünscht, um damit einen Sieg der Kommunisten zu verhindern. Die Verfolgung der katholischen Kirche in Polen und anderen besetzten Gebieten nimmt er überhaupt nicht zur Kenntnis. Ähnlich verfälschend ist seine Darstellung der Aktivitäten des Heiligen Stuhls während der deutschen Besetzung in Rom 1943 und 1944. Aufgrund all dieser falschen Prämissen formuliert er Vorwürfe gegen die Kirche, die teilweise weit über die bisheriger Kritiker hinausgehen.

Kipa: Hat Goldhagen mit manchen Vorwürfen nicht auch Recht?

Gumpel: Zu Recht bemängelt Goldhagen die damalige anti-jüdische Polemik in der Jesuitenzeitschrift "La Civilta Cattolica", auch wenn man die aus dem Zeitkontext heraus verstehen muss. Aber wenn er zu der Schlussfolgerung kommt, die katholische Kirche habe aktiv am Holocaust mitgewirkt, ist das eine Geschichtsfälschung übelster Art. Dazu gehört auch sein Vorwurf, Pius XI., der immerhin die klar gegen die Nazis gerichtete Enzyklika "Mit brennender Sorge" publiziert hat, sei ein Antisemit gewesen. Zur Begründung führt er an, dass der spätere Papst in seiner Zeit als Nuntius einmal in einem Bericht aus Polen über die sozialen Spannungen berichtete, die dort von jüdischen Einwanderern ausgelöst wurden. Ähnlich fahrlässig geht er mit Eugenio Pacelli, dem späteren Pius XII., und dessen Bericht über jüdische Rädelsführer bei der Münchner Räterepublik von 1919 um. Er behauptet, Nuntius Pacelli, habe in seinem Bericht von "Abschaum" gesprochen. In Wahrheit kommt dieser Begriff in Pacellis Bericht gar nicht vor. Aber der Gipfel des Ganzen sind seine Angriffe gegen das Neue Testament.

Kipa: Aber der Vorwurf, dass es dort Polemik gegen bestimmte Gruppierungen im damaligen Judentum gibt, ist doch nicht neu...

Gumpel: Das sicher nicht, aber Goldhagens Schlussfolgerungen sind einfach unhaltbar. Er behauptet, es gebe im Neuen Testament 450 explizit antisemitische Stellen und fordert daher, die Kirche müsse die Texte entweder umschreiben oder sich von diesen Stellen als späteren Hinzufügungen distanzieren. Er nimmt weder zur Kenntnis, dass auch das Alte Testament voll ist von Kritik am Verhalten des Volkes, noch dass mindestens drei Evangelisten selbst Juden waren.

Kipa: Kommen wir noch einmal zu Pius XII. zurück. Könnte der Vatikan nicht manchen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, wenn er die Archive der damaligen Zeit öffnen würde?

Gumpel: Die Öffnung der Archive ist sinnvoll, allerdings muss das Material erst sortiert und gebunden werden, sonst kann man es nicht vernünftig studieren. Aber hier wir sind auf gutem Weg, schon im kommenden Januar wird das Material über die Deutschlandpolitik Pius XI. für Historiker zugänglich sein, und drei Jahre später auch das entsprechende Material aus dem Pontifikat Pius XII. Ich bin zuversichtlich, dass wir dann noch bessere Antworten auf manche Vorwürfe haben.

(kipa/r/gs)

Quelle: Kipa, 04.10.2002


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