Moin!
Manche wird es vielleicht wundern, warum ich diesen Thread nicht im allgemeinpolitischen Teil beginne, sondern hier.
Nun, es geht mir nicht um die Demonstrationen im allgemeinen, oder den Gipfel (eigentlich die Gipfel) im besonderen, es geht mir um einen Mechanismus hinter den Vorgängen, einen Mechanismus, dessen Auswirkungen am letzten Wochenende zu sehen waren.
Mein hauptsächliches Augenmerk liegt hierbei vor allem beim sogenannten und angeblich besonders bereitgewalten Schwarzen Block.
Wer alles zu diesem Schwarzen Block gehöhren soll, konnte man letzte Woche ebenfalls in den Medien verfolgen und auch jetzt regt sich die Frage wieder, wer den die Hauptmasse dieses Schwarzen Blockes ausmacht und was seine Interessen seien.
Nun, wenn es ihnen nur um Gewalt ginge, die könnten sie jeden Tag in diesem Land haben, mediale Präsenz wäre sofort zur Stelle, falls es auch um Berichterstattung (die, der eigenen Handlungen, auch im Sinne von Gruppendynamik) und persönliche Eitelkeiten geht.
Aber warum tauchen sie gerade bei G8 Gipfeltreffen so massiv in Erscheinung, wo waren sie bei den diesjährigen Maikrawallen? Wenn es nur um Prügel geht, die können sie da auch haben und nach Mediendarstellung sind es ja schließlich in der Regel tumbe Zeitgenossen (nun gut, der letzte Woche fiel aus der Reihe, der war zwar Abiturient, aber eine Aussage im Sinne von 'Reden bringt nichts, die (die Mächtigen) höhren nur auf Gewalt' war anscheinend auch noch akzeptabel für das Gesamtbild).
Aber zurück zu meiner eigentlichen Fragestellung, der Zusammensetzung.
Ich behaupte, der "Schwarze Block" wie er in Genua und auch jetzt in Rostock in Erscheinung getreten ist, besteht hauptsächlich aus Staatsdienern, wobei ich mir die Behauptung nicht verkneifen kann, daß so ein Verhalten nicht im Sinne des Staates ist (der Gesamtheit aller Bürger), sondern im Sinne der Staatsführung, die sich ebenfalls vom Staat entkoppelt hat, außer für ihre Legitimierung, aber das nur am Rande.
Nun, wie komme ich dazu?
Ganz einfach, ich sehe Fern. Wobei der Trick natürlich ist, die wertvollen Dinge nicht zu oft zu verpassen.
Und so konnte ich mich an einen Bericht über die Kravalle in Genua 2001 und den Schwarzen Block in Genua erinnern, der über interessante Dinge berichtete.
Hier ein Zitat aus einem Artikel, der sich ebenfalls damit beschäftigt:
Besonders dieser Teil wird in heutigem Licht interessant:Polizei "deeskaliert" als Schwarzer Block verkleidetAm Sonntag Abend wurde im italienischen Fernsehen RAI 3 in den landesweit ausgestrahlten Nachrichten mehrere Viedeoaufnahmen gezeigt. Zu sehen waren vermummte und behelmte "Demonstranten" mit Eisenstangen, die aus den Kasernen der Polizei und Carabinieri rein und raus laufen, die in Polizeiwannen ein- und aussteigen. Eine Aufnahme (mit Ton teilweise!) zeigt 5-6 "Vermummte", die sich an der Ecke der Via Torino - wo am Samstag die Demonstration von der Polizei mit Tonnen von Tränengas eingedeckt und geteilt wurde - sehr lange mit einem höheren Polizisten unterhalten und militärische Planungen vornehmen, wie jedenfalls war an Wort- und Satzfetzen zu hören war.
[url= http://www.ballhausplatz.at/johcgi/ball/TCgi.cgi?target=thema&Thema=62 ]Quelle[/url]Andere Zeugen berichteten übrigens davon das daran nicht nur italiensiche sondern auch spanische, französische und deutsche Zivilpolizisten beteiligt waren.
Und hier haben wir auch schon die Überleitung zu Rostock und aktuelle Geschehnisse, nur dumm, daß sich manche Aussagen ähneln, ja fast gleichen:
[url= http://www.nachdenkseiten.de/?p=2386 ]Quelle, erster Augenzeugenbericht[/url]Neben uns befand sich ein Grünstreifen, der mit mittelhohen Bäumen und Sträuchern bewachsen ist. Plötzlich sah ich neben dem wartenden Truck Menschen in unsere Richtung rennen. Auf uns kam ein Paar mit Kinderwagen zugerannt; der Mann hatte das Baby im Arm. Es flogen Steine und Werfer und Polizei stürmten heran. Wir halfen der Familie, den Kinderwagen vor die Büsche zu quetschen; das Baby wurde hingelegt, und wir stellten uns mit dem Gesicht dem Geschehen zugewandt eingehakt um den Wagen, um das Kind zu schützen. Ein Laternenpfahl half uns notdürftig dabei. Die Hundertschaft verschwand hinter dem Grünstreifen, die Steinewerfer blieben auf der Strasse. In einer Feuerpause flüchtete das Paar mit ihrem Kinderwagen entlang des Grünstreifens Richtung Innenstadt. Mein Begleiter und ich standen zwischen Werfern und Polizei; wir wollten sobald als möglich die Strasse überqueren, um zu unseren Freunden zu kommen. Ich versuchte durch Rufen die Werfer zum Aufhören zu bewegen.Die Polizisten, das konnte ich erst jetzt wahrnehmen, nachdem die Familie außer Gefahr war, stand in drei Reihen vor den sich hinter dem Grünstreifen befindlichen Häusern und rührte sich nicht! Die Steine flogen im hohen Bogen über unsere Köpfe hinweg und ich musste über unsere Lage plötzlich fürchterlich lachen, aber auch meine Verletzlichkeit, so ganz ohne Helm und Schutz wurde mir bewusst. Als die Werfer nachladen wollten, versuchte ich einen handgreiflich daran zu hindern. Dabei war etwas sehr seltsam: der junge Mann war so jung nicht, er grinste, schüttelte mich locker ab und es fehlte jedes Anzeichen auf eine Adrenalinausschüttung, also Aggression. In dem Moment hörte ich das Rufen anderer Augenzeugen: „Haut doch ab! Ihr gehört doch zu denen. Habt ihr wenigstens die Preisschilder aus euren neuen Klamotten gemacht.“ usw., und ein paar jüngere Männer wurden beschimpft, dass sie sich zum Mitwerfen hatten verleiten lassen. Interessanterweise war kein einziger Polizist in der Nähe und die geschulten Werfer tummelten sich in aller Gemütsruhe in Richtung abbiegender Strasse.
Ich musste an einen anderen Bericht denken, der aber seltsamerweise im Netz nicht mehr zu finden ist. Er behandelte das Thema “Steinewerfer in Uniform” und das Training der Polizei in Alt Spenrath. [url= http://www.rp-online.de/public/article/regional/niederrheinsued/korschenbroich/nachrichten/korschenbroich/437025 ]Hier ist das Training ebenfalls beschrieben.[/url]
Und weiter, auf einer anderen Seite:
[url= http://www.jungewelt.de/2007/06-05/017.php ]Quelle[/url]Es müßte auch rasch geklärt werden, ob Beobachtungen von Augenzeugen zutreffen, wonach sich Steinewerfer zuvor mit Polizeiführern getroffen haben sollen. Wenn sich das tatsächlich zugetragen haben sollte, würde das bedeuten, daß Polizisten von Provokateuren aus den eigenen Reihen angegriffen wurden.
Sehr interessant finde ich auch die kurze Bildabfolge in dem letztgenannten Artikel.
Augenscheinlich zeigt es, wie anscheinend eine höhergestellte Polizeikraft (der Mann im schwarzen Anzug mit weißem Helm, ich spekuliere mal, daß er eine eher organisierende Funktion besitzt) einen anderen Bereitschaftspolizisten (den Mann in Grün mit dem netten schwarzen Knüppel in der Hand) davon abhält, einen Demonstranten zu verprügeln (so wie er gekleidet ist, kann man ihn wohl zum Schwarzen Block zählen). Er packt dabei seinen Kollegen recht unsanft am Kragen und scheint ihn fast zu würgen.
So auch der Untertietel des ersten Bildes:
So etwas gibt es auch: Ein Polizist hindert einen Kollegen daran, einen Demonstranten zu verprügeln
Nun, soweit, so gut. Aber, jeder, der auch nur halbwegs über die Polizei und vor allem die Bereitschaftspolizei bescheid weiß, der weiß, daß so eine Szene fast unmöglich ist. Die Unmöglichkeit besteht in einem einzigen Wort: Korpsgeist.
Jeder, der dagegen verstößt, muß damit rechnen, im entscheidenden Moment von seinen Kollegen im Stich gelassen zu werden, nämlich dann, wenn die Demonstranten zum Gegenstoß vorgehen. Er wird schlicht alleine dastehen und muß mindestens mit Krankenhaus rechnen. Das ist keine Spinnerei, das sind in etwa die Worte eines Schulkollegen, der zur Polizei ging und somit auch in der Bereitschaftspolizei (Knüppeltruppe, wie sie sich gerne mal nennen) dienen mußte (naja, er wollte).
Meine Version zur Bildfolge ist demnach diese:
Hier hat nur ein besser informierter Kollege einen schlechter informierten Kollegen daran gehindert, einen weiteren Kollegen zu verprügeln (man beachte auch den Ausdruck im Gesicht des prügelnden Polizisten im ersten Bild, man kann ihm den Spaß richtig ansehen, er grinst zwar nicht, Spaß hat er trotzdem). Auch wenn der 'Demonstrant' im Hintergrund des dritten Bildes von einem weiteren Kollegen festgehalten wird und wahrscheinlich auch abgeführt wurde, aber es waren ja schließlich auch jede Menge Leute am Straßenrand.
Nur noch am Rande, hat nichts mit der eigentlichen Sache zu tun:
Diese Menschen sind auf die Verfassung eingeschworen (wenigstens der ihrer jeweiligen Bundesländer, aber ohne Bund kein Bundesland), wenn sie der Verfassung nicht folgen, wem dann?Nach den hautnahen Wahrnehmungen von Polizeigewalt hatte ich das Bedürfnis, über das Vorgefallene mit Polizisten zu sprechen. Als Bürger und christlicher Pazifist pflege ich kein "Feindbild Polizei" und halte den gemeinsamen Austausch über die Verfassungsgrundlage des Gemeinwesens für notwendig. Bei meinem letzten Gespräch mit einem Polizeibeamten vor der Abfahrt des Düsseldorfer Busses wurde mir nun eine besondere Belehrung zuteil.Der Polizist klärte mich darüber auf, dass wir ja "keine Verfassung" haben. Es gäbe in diesem Lande "nur ein Grundgesetz", und das sei uns von Besatzungsmächten nach 1945 gleichsam aufgezwungen worden. Anschauungen dieser Art werden sich im Umfeld des G8-Gipfels hoffentlich nur als Ausnahme erweisen.
[url= http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25426/1.html ]Quelle[/url]
Der Rest des Arktikels beschäftigt sich ebenfalls mit den Ausschreitungen von Rostock.
Ach und da das Wort heutzutage nirgendwo mehr rauszuhalten ist, hier nochmal die Wikidefinition des Begriffes [url= http://de.wikipedia.org/wiki/Terror ]Terror[/url]
bis denn!
dark knight13
Da kann schon was wahres dran sein, ist aber ein sehr schwieriges Thema.
Manch einer erinnert sich vielleicht noch an die Vorgänge um das NPD-Verbotsverfahren. Da kam so nach und nach raus, dass offenbar recht viele V-Leute dort tätig sind und nicht nur beobachten sondern kräftig mitmischen. Die NPD konnte dann natürlich behaupten, dass alles was man ihnen vorwirft eigentlich nur Provokationen von V-Leuten sind und es in Wirklichkeit gar keine Nazis oder gewaltbereite Leute in der NPD gäbe.
Das ist natürlich nicht richtig, die Vorstellung dass es gewaltbereite Links- und Rechtsextremisten gibt ist ja nicht völlig aus der Luft gegriffen. Selbst wenn ich es nicht sicher wüßte würde ich davon ausgehen, dass es sie gibt, denn warum nicht? Für mich ist sowas zwar nicht ganz nachvollziehbar aber so abartig ist diese Einstellung nun auch wieder nicht, dass kein Mensch so sein könnte und alles nur fingiert ist.
Heraus zu finden wo die Grenze zwischen echten Extremisten und eingeschleusten Provokateuren liegt ist leider fast unmöglich, das fällt ja den Leuten die in dieser Szene leben schon sehr schwer.
Der Bericht oben bestärkt mich leiden in meinen Befürchtungen, das die Krawalle so ausarten ist maßgeblich durch den Staat inszeniert. Klar das Gewaltpotential ist da, aber sogar bei den Krawallen zum 1. Mai in Berlin ist weniger los.
Die ersten Meldungen zu dem Thema sind ganz anders als die mittlerweile in den Medien etablierte "Berichterstattung" Hier am Sonntag im Spiegel noch, interessant sind die Videos:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,486323,00.html
Was ich interessant finde ist das der Organisator sagt es habe keine Deeskalationsteams gegeben, im Gegenteil die Polizei provoziere sogar. Nur 12 h Stunden später war die Polizei völlig unterbewaffnet und hilflos, obwohl auf einen Demonstranten ein Polizist kommt.
hm interessant geb ich zu! aber ob da was wahres dran ist?
man kann auch eine weniger sensationelle meinung dazu haben (die sogar vielleicht eher stimmt)
die 'schwarzer-block'-anhänger sind nichts weiteres als hooligans die unter den deckmantel der politik handeln, wenn sie das ganze nämlich als demo bezeichnen, können sie damit ihr gewissen etwas beruhigen, denn eine demo ist natürlich was ganz anderes, da ist sowas erlaubt -__- (das ist die antwort auf deine frage dark_knight, wieso die ausgerechnet beim gipfel so einen krawall machen)
was haben sie den davon wenn sie polizisten angreifen, häuser und autos zerstören? was denn?
aus rache?
gestern hab ich auf ARD was bemerkenswertes gesehen, wie sich die schwarzen-block anhänger allein per handzeichen verständigt haben, wie in der armee oder bei irgendwelchen special forces :), sah komisch aus.
Der Organisator gehört zu den Leuten die die Randale ihrer eigenen Anhänger nicht nur in Kauf nehmen sondern gezielt einplanen und hinterher immer der Polizei vorwerfen sie hätte provoziert bloß weil sie halt anwesend war.
Die einzigen Demonstranten die ich wenigstens tolerieren kann sind die vom Typ Weltverbesserer die zwar meistens recht naiv sind, aber dafür doch sehr friedlich und ehrlich im Gegensatz zu den Linksextremisten. Übergänge natürlich wie immer fließend ^^