In weiten Teilen stimme ich Dir zu. Allerdings nicht in Deiner Grundansicht.
Die Manetho-Texte sind heute gar nicht in ihrer Ursprünglichkeit bekannnt - zumindest läßt sich das annehmen. Sie waren u.a. auch Bestandteile monotheistischer "Geschichts"schreibung und wurden von späteren Kopisten angeglichen - u.a. auch von dem, von Dir erwähnten Eusebius.
Daß es um so etwas, wie Volksstolz gehen könnte, glaube ich nicht, denn DAS Ägypten, von dem Du sprichtst und dessen Alter Du durch Hawass gewahrt siehst, gibt es ohnehin nicht. Ägypten machte auch nach offizieller Geschichtsvermutung mehrere schwere Zäsuren durch, die einen kulturellen und ethnischen Wandel nach sich gezogen haben dürften. Den letzten "lebt" Hawass ja praktisch selber. Das alte Ägypten war nicht moslimisch - ja, es widerstand sogar erfolgreich einem Monotheisierungsversuch (zumindest ausweislich offizieller Geschichtsschreibung) und wehrte ihn schon nach einer Generation ab.
Doch dem griechischen Einfluß war es nicht gewachsen, ebensowenig dem nubischen Einfluß zuvor.
Cleopatra war - streng genommen - keine Pharaonin im Sinne der altägyptischen Religion, wonach der Pharao ein Nachkomme des letzten "göttlichen" Herrschers war.
Somit könnte man die lange Historie also nur auf das Gebiet anwenden und nicht auf ein Volk, das seine Wurzeln bis in eine ferne Vergangenheit als Teilk des ägyptischen Volkes zurückverfolgen kann.
Wenn dem so ist, dann wäöre das aber auch mit jedem anderen Gebiet möglich und die Menschen, die dort heute leben, könnten sich als Nachfahren jener Menschen bezeichnen, die vor abertausenden von Jahren dieses Gebiet besiedelten.
Was uns daran hindert sind in meinen Augen allein die vielen Namensänderungen, die die verschiedenen Gebiete in unseren Geschichtsbüchern erfuhren. Der Name "Deutschland" ist halt nicht so alt, wie der Name Ägypten, doch könnten wir ihn genauso gut auch durch "Germanien" ersetzen und behaupten, wir seien ein ur-uraltes Volk mit einer Geschichte, die über tausende von Jahren währte.
Langer Rede kurzer Sinn: Nein, ich glaube nicht, daß es darum gehen könnte, daß man plötzlich herausfindet, daß Ägypten vielleicht gar nicht so alt ist wie beschrieben. Das würde auch schwerlich funktionieren, denn besiedelt wäre das Land dann auch "vor" der Zeit Ägyptens gewesen und wer will denn behaupten, daß das keine Ägypter gewesen seien?
Ich weiss, dass von Manetho selbst keine Zeugnisse überlebt haben. Eusebius hat die Chronoligie nicht in dem Sinne angeglichen, sondern zusätzlich interpretiert. Er kommentiert ja sämtliche Angaben Manethos nur.
Auch ist über Manetho selbst zu wenig bekannt, um ihn richtig einordnen zu können. War er Ägypter oder doch eher Grieche ? Und wem fühlte er sich verpflichtet ? Dass seine Chronologie nicht korrekt ist, ist ja offensichtlich. Was aber war seine Motivation diese zu erstellen ?
Dass er als reinrassiger ägyptischer Priester das Amt in der alten Tradition unter der Herrschaft der Ptolemäer weiter führen durfte, ist doch höchst unwahrscheinlich. Er stand wohl irgendwo zwischen den Welten. Schwer einzuordnen eben.
Und auf heute übertragen, erkenne ich die gleiche oder zumindest eine ähnliche Problematik in Zahi Hawass personifiziert.
Jedenfalls halte ich sein Vorgehen nicht für zufällig und rein persönlich motiviert. Und dass er Geheimwissen hat, glaube ich ebensowenig.
War er Ägypter oder doch eher Grieche ?
Manetho lebte roundabout 250 v.Chr. und ist somit viel zu jung, um "echter" Ägypter nach dem Muster des alten Ägyptens zu sein. Selbst wenn er nicht griechischer Abstammung war, so war er doch ein Kind seiner Zeit.
Was aber war seine Motivation diese zu erstellen ?
Viele Texte wurden einfach niedergeschrieben, weil das Wissen zu verblassen drohte. Ohne die Orininalschriften jedoch zu kennen, kann man viel darüber spekulieren.
Daß man jedoch quasi für die spätere Geschichtsschreibung arbeitete, kann ich nicht glauben. Eine solche "Wissenschaft" gab es zu seiner Zeit nicht.
Und auch Hawass unterstelle ich diese Ambitionen nicht, denn es kann ihm praktisch egal sein. In den Köpfen der (meisten) Menschen hat das heutige Ägypten ohnehin rein gar nichts mehr mit dem antiken zu tun. Die modernen Ägypter hüten vielleicht die Reste aus alten Zeiten aber sie haben nicht deren Nachfolge angetreten.
Und dann muß man sich auch fragen, was z.B. dem Deutschen Archäologischen Institut so sehr daran liegt, daß es zu keinen größeren, freien Ausgrabungen kommt.
Und dass er Geheimwissen hat, glaube ich ebensowenig.
Das mag stimmen oder nicht. Ich glaube jedoch, daß er (und noch so manch ein anderer) dieses Wissen vermutet. Das würde schon ausreichen um sein, etwas seltsames, Verhalten zu erklären, wie auch die Tatsache, daß er praktisch niemanden ohne seine persönliche Begleitung auch nur einen Stein umdrehen läßt.
Ich möchte noch etwas hinzufügen:
Als Hawass bei der Regierungsbildung des neuen Regimes in Ägypten zunächst nicht berücksichtigt wurde, blieb sein Platz natürlich nicht leer.
Vielmehr wurde das Amt an Alaa Shaheen übergeben. Dieser stand Ausgrabungen und tatsächlicher Suche weitaus offneer gegenüber, als Hawass. Zudem hatte er in früheren Jahren Ausgrabungen in Hawara geleitet, jenem, unter unorthodoxen Geschichtsforschern geheimnisumwitterte Ort, unter dessen Sand ein ehemaliges Weltwunder, das Labyrinth von Hawara, vermutet wird.
Nicht nur unothodoxe Forscher vermuten Reste des Baus dort; im Unterschied zur dogmatischen Wissenschaft vermuten diese jedoch zahlreiche Schriften dort, die Aufschluß über eine - möglicherweise ganz andere - Antike geben könnten.
Ein Schelm wer glaubt, daß die Dogmatiker daraufhin Sturm gelaufen sind und Hawass zurück forderten.
Also dass es um Ägypten eine gewisse Geheimniskrämerei gibt, sieht wohl ein Blinder.
In der Bibel steht im Buch Daniel 11, dass der gewisse König des Nordens gegen Ägypten ziehen, und es vollkommen ausplündern wird.
Dieser König ist eigentlich ziemlich sicher mit Antiochius IV zu identifizieren.
Das mögen jetzt vielleicht viele für Quatsch halten, weils ja nur die Bibel ist, ich aber glaube dass das zutrifft. Und mal davon abgesehen wundert mich aber in dem Zusammenhang, dass viele Christen, die ebenfalls an die Prophezeiung glauben, dieses Kapitel und den König des Nordens nur bis zu einem gewissen Punkt mit besagtem Antiochius identifizieren wollen, den Rest der Prophezeiung aber plötzlich in eine noch nicht erfüllte unbestimmte Zukunft legen wollen. Sehr oft wird über diese Stellen auch gern der Mantel des Schweigens gelegt. Warum nur ?
Auch hier kommts mir vor, als wenn da jemand was verbergen will.
Angenommen es stimmt tatsächlich, dass Antichoius damals Ägypten leer geräumt hat, könnte es nicht sein, dass da irgendwer heute noch Ansprüche stellen will ? Ich halte das gar nicht für so weit her geholt.
Ich bin schon seit Jahren auf der Suche nach Literarur, die diese Thematik etwas erhellen könnte, aber wirklich helfen konnte mir da bis jetzt niemand.