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Die Parabel vom Wissenschaftsmännle

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(@bergamr)
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[#1074102755]

Vor nicht allzulanger Zeit begab es sich, daß ein wohlstudiertes Männle, welches sich mit nichts anderem als dem Forschen und Lesen von Büchern von noch wohlstudierteren Menschlein beschäftigte, ein Thema fand, das es sehr begeisterte. Das Wissenschaftsmännle entdeckte, daß Gemüse, wenn es denn erforscht wurde, aus vielerlei einzelnen Dingen sich zusammensetzte, die man dann drehen und wenden konnte, wie man wollte. Man konnte diesem Kraut jenes entziehen, man konnte Mineralien, Vitamine, Spurenelemente, ja selbst Farbstoffe isolieren, selbst die Menge der einzelnen Inhaltsstoffe liesen sich bestimmen. Das Männle war so fasziniert davon, daß es nichts anderes mehr tat, tagaus, tagein, jahraus, jahrein.
Und als es sich mit dem Spinat beschäftigte, errechnete es, daß dieses Gemüse soviel Eisen beinhaltete, wie kein anderes Gemüse. Diese Feststellung posaunte es hinaus in die Welt, und die Welt nahm diese Botschaft gerne auf. Denn der Eisenmangel war ein Problem bei vielen Menschen. Und das Wissenschaftsmännle posaunte so lange und so gut, daß alle ihm glaubten.
Fortan mußten Generationen von Müttern von ihren Müttern und Schwiegermüttern den Rat annehmen, ihren Kinder doch viel Spinat zu kochen. Und Millionen Kinder mußten Spinat essen (und tausende von diesen Kindern tapezierten damit das Eßzimmer grün  ;D ).
Und das alles nur, weil das Wissenschaftsmännle herausgefunden hatte, daß Spinat das eisenreichste Gemüse sei, das es gibt.
Nur leider war es in der Kommastelle verrutscht, statt 520mg pro 100g Spinat waren es (wie man Jahrzehnte später herausfand) leider nur 5,2mg Eisen! Armes Wissenschaftsmännle! Und arme Kinder! Es wäre so schön gewesen mit dem Spinat, wenn doch nur dieses blöde Komma an der richtigen Stelle gewesen wäre!

Und die Moral von der Geschicht: Es gibt viele Zahlen, die uns als Beweise vorgelegt werden. Es gibt auch viele, die meinen, nur mit Zahlen und Rechnungen sei etwas zu beweisen oder schon bewiesen, sogar in diesem Forum hab ich schon ein, zwei Teilnehmer dieser Art erlebt  ;D.

Aber es geht nichts über einen gesunden Zweifel an allem, das angeblich wissenschaftlich bewiesen und berechnet worden ist!

Gruß (besonders an alle 'Schwindelig-Rechner'  😛 )
Bergamr


24 Antworten
Beiträge: 159
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(@germane)
Estimable Member
Beigetreten: Vor 24 Jahren

Hmm... lag der "Betrug" nicht darin das er den Eisengehalt von getrocknetem Spinat untersuchte und die Allgemeinheit davon nichts weiss?


Antwort
Beiträge: 1326
Registered
Themenstarter
(@bergamr)
Noble Member
Beigetreten: Vor 23 Jahren

Hey Germane,

das ist eine Parabel, kein Tatsachenbericht. Aus welchen Gründen der Fehler entstanden ist, entzieht sich meiner Kenntnis, daß er entstanden ist, ist unstrittig.

Ob jetzt die Berechnungsbasis falsch war oder ein Rechenfehler vorlag, ist egal. Tatsache ist, daß das Komma verrutscht ist. Wissen(schaf)tlich.

Gruß
Bergamr


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Beiträge: 413
Registered
(@bynaus)
Reputable Member
Beigetreten: Vor 23 Jahren

Nun, peinlich die ganze Sache, ohne Zweifel.
Aber ich weiss schon, worauf du hinaus willst: es ist aber nicht ganz so einfach. Die Eisenmenge in Spinat wird nicht tagtäglich berechnet und bestätigt. Es gibt keine Unmengen an Studenten, die sich mit der Eisenmenge im Spinat als grundlegende Annahme ihres Studiengangs beschäftigen, sie berechenen und abschätzen lernen etc. Es ist eben mit den Zahlen so wie mit allem: Es gibt solche - und solche.


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Beiträge: 17
Registered
(@madrigal)
Active Member
Beigetreten: Vor 57 Jahren

Gruß (besonders an alle 'Schwindelig-Rechner'  😛 )
Bergamr

Ich denke du meinst Bynaus. Was magst du denn nicht an Rechnungen? Bzw was hälst du für besser als eine mathematische Berechnung, die den Sachverhalt erklärt?


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