"Die Finanzkrise."
"Ich hab grade einen Bericht darüber gesehen. Da gibt´s also ne Bad Bank in Dublin, die die Schrottpapiere der Sachsen LB hält. Buchwert 15 Milliarden Euro, tatsächlicher Wert eine Milliarde, wenn´s hoch kommt. Das Land Sachsen bürgt für das Ausfallrisiko mit 2,8 Milliarden."
"Die in Kürze fällig werden."
"Mir ist aufgefallen, dass der Bad Bank eine Riesenmenge an Immobilien in den USA gehören. Iss doch so, der gehören nicht nur die Papiere, sondern auch die dazugehörigen Immobilien, weil die eigentlich als Sicherheit für diese Papiere galten."
"Das richtig."
"Mir fiel weiter auf, dass da ein Ehepaar mit über 500.000 Dollar für ein sehr mittelmäßiges Einfamilienhaus bei der Bank in der Kreide stand. War das ein Einzelfall?"
"Nein, die hatten in den USA so hohe Preise."
"Haben die auch entsprechend hohe Baukosten?"
"Nein."
"Das heißt, diese Häuser sind bereits zu überhöhten Preisen erworben worden. Ein vergleichbares Haus hätte in Deutschland ungefähr die Hälfte gekostet."
"Richtig."
"Man hat also Häuser, die momentan fast nix wert sind, weil da nun auch noch aufgrund von Witterung und Leerstand ein großer Renovierungsstau hinzugekommen ist."
"Das hat man."
"Und warum sagt man sich dann nicht als deutscher Besitzer solcher Häuser: Ich beseitige den Renovierungsstau, setze deutsche Bautechnik inklusive moderner Dämmsysteme ein und verkaufe anschließend richtig schnuckelige, richtig hochwertige Häuser zu einem vernünftigen Preis?"
"Welchen Vorteil bietet das?"
"Erstens bekomme ich den Grundstückswert, der ja momentan gegen Null geht, zweitens betreibe ich Bauunternehmen, die Gewinne machen und drittens investiere ich bei kluger Gesamtplanung im Schnitt nicht mehr als 100.000 Dollar pro Haus, kann es aber anschließend für 250.000 verkaufen.
Soll ich euch mal´n gestalterisches Konzept für solche Häuser machen, damit die Kult werden und nochmal 100.000 Dollar extra einbringen?
Also, das fängt an bei in sich gestalteten..., ach nee, erst noch kurz ne Frage: Wie war das noch gleich? Warum soll Hiram nun unbedingt sterben? Weil der euch immer alles kaputt macht? Oder was?"
"Du hast das große Aufräumen angekündigt."
"Ja, ich möchte einen Schlusspunkt unter unsere bisherige Art von Beziehung setzen. Du warst zunächst dagegen. Bist du es immer noch?"
"Nun."
"Du siehst den Sinn sehr wohl, aber du befürchtest ne negative Presse."
"Das wird nicht ausbleiben."
"Es geht mir aber nicht darum, dich in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen. Und ich meine auch, dass es eigentlich nicht schlimmer werden kann, als es ohnehin schon ist. Ich habe also folgendes beschlossen:
Ich werde die künstlerischen Arbeiten, die unter den Vorzeichen einer vermeintlich ehrlichen Zusammenarbeit mit dir entstanden sind, vernichten. Das sind sämtliche Bühnenbilder, eine Reihe Entwürfe und noch ein paar Kleinigkeiten. Sie sind für mich wertlos geworden, wobei ich sie gleichzeitig als Übungen für neue Bühnenbilder betrachte. Ich werde die Kleidungsstücke, die ich mir im Hinblick auf eine Illusion mit dir zugelegt hatte, weggeben. Ich seh das aber praktisch, ein paar Sachen davon brauche ich, müsste ich mir also neu kaufen, die behalte ich einfach. Ich werde mich von überflüssigem Schmuck und Kosmetika trennen, das Porno-Equipment ist bereits seit Montag entsorgt. Ich werde alle Entwürfe, die ich früher in Hinblick auf die Europa-Skizze gemacht hatte, vernichten und werde all diejenigen behalten, die auch ohne das entstanden wären. Das Kinderbuch ist ebenfalls unabhängig von der Europaskizze entstanden. da gehen jetzt Manuskripte an Verlage."
"Das Buch handelt von mir."
"Du, ich will dich ja nicht wegleugnen oder tottreten oder sowas, ich will nur das unter falschen Annahmen Entstandene weghaben."
"Es wird allgemein angenommen, du willst mich fertigmachen."
"Nein. Will ich nicht. Aber ich nehme mir das Recht,
unglückselige Erinnerungstücke an dich aus meinem Blickfeld dauerhaft zu entfernen. Es war für mich sehr schmerzlich, jetzt wahrnehmen zu müssen, dass du mich abermals belogen und betrogen hast, und jeder normale Mensch wird versuchen, eine Distanz zwischen sich und solch einen Schmerz beziehungsweise den Verursacher eines solchen Schmerzes zu legen. Würde dieses mein Verhalten nicht unter öffentlicher Beobachtung stehen und als eine Art von Bestrafung interpretiert werden, könntest du damit anders umgehen. - Sei ehrlich, es ist so."
"So ist es."
"Also mache ich mir die Mühe, den Vorgang hier zu erklären. Für mich hat das etwas Befreiendes, und für dich vielleicht auch demnächst, wenn du nämlich erlebst, dass da nix zurückbleibt und dass eine neue Schaffensperiode eröffnet wird."
"Ach so."
"Ja. So. - Aber es muss noch mehr gesagt werden. Ich werde mich ein wenig zurückziehen. Denn ich muss mein historisches und politisches Wissen vergrößern, um meinem zukünftigen Job gerecht zu werden. Haha. Es könnte ja was werden."
"Ja. Haha. Könnte es tatsächlich."
"Wirst du mir weiterhin Steine in den Weg legen?"
"Nein. Das war ne unfreie Handlung von mir."
"Findest du, dass ich mich übelst gegen dich durchgesetzt und dich brutal besiegt habe?"
"Nun, zunächst habe ich das so empfunden. Aber es ist tatsächlich äußerst vernünftig von dir, den Parteivorsitz anzustreben. Du hast die Fähigkeiten dazu und es macht keinen Sinn mehr, dich davon abhalten zu wollen."
"Warum hast du deine Ansicht geändert?"
"Ich habe eingesehen, was du mir gesagt hast. Ich bin vor lauter Wut und Kränkung über dein Verhalten in alte Muster zurückgefallen. Es ist wirklich katastrophal und es gibt tatsächlich keine elegante Lösung mehr oder ein wie auch immer geartetes Weiter so.
Du hast gesagt, dass ich auf drei Ebenen gefangen bin. Zuerst auf der Ebene mit dir, indem ich dir alles Böse dieser Welt zugetraut habe, weil mir seit Jahrzehnten Fehlinformationen über dich vermittelt worden sind. Du warst, so wurde mir suggeriert, an jedem Misserfolg, jeder Demütigung, die ich erlebt habe, Schuld. Und du hast Recht. Das sitzt mir sowas von in den Knochen. Da genügt es nicht, wenn der Kopf weiß, dass das ein Lügengebäude war, das zwischen uns stand, und dass du immer entweder völlig unbeteiligt oder sogar auf meiner Seite warst. Das braucht tatsächlich Zeit, um aufgelöst zu werden, und auch eine andere Methodik. - Es tut mir sehr leid, so viele Menschen durch dieses Problem in Mitleidenschaft gezogen zu haben."
"Was sagst du zu meinem Vorschlag?"
"Nun, es ist ja richtig, dass ich ständig tierische Angst vor dem Tag hatte, an dem du dein >wahres Wesen< offenbaren würdest. Nun bestand dieser finale Schlag in deinem Entschluss, dich Richtung Parteivorsitz zu bewegen, wobei du dachtest, den hättest du in gutem Einvernehmen mit mir gefasst. Als du dann gewahr wurdest, dass es nicht so war, hast du gesagt, dass du ne Verantwortung hast und keinen Rückzieher machen kannst. Du warst immer noch voller Vertrauen zu mir. Als dann der Ärger kam, hast du gesagt, dass du es einfach nicht einsiehst, darauf zu verzichten, nur weil ich nicht weiß, was Liebe ist. - Was also ist Liebe?"
"Wenn ich einen Menschen echt liebe, dann ist das egal, ob der Parteivorsitzender oder Putzfrau ist. - Ich kam auf den Gedanken, dass du mir gegenüber Lippenbekenntnisse geäußert hast, teilweise welche, die du sogar selber geglaubt hast. Als nächster Schritt wurde mir klar, dass du nach wie vor sehr stark mit meiner flinken Mieterin vereinigt bist, die dich in gewisser Weise in Second Life gefangen hält. Sie hat die Fähigkeit, dir alles, was du an dir selber magst, perfekt zu spiegeln. Es ist dann eine Eigenliebe, die dir von ihr zurückgeworfen wird und die dich ein Stück weit blind macht für die Bedingungen echter Liebe. Echte Liebe ist keine Spiegelung, sondern das sind zwei Seelen in ehrlichem und authentischem Austausch, das ist Frage und Antwort, Zwiegespräch, ein Hin-und-her-fließen von Ich zu Ich.
Mein Vorschlag ist nun, dass wir die Mauer zwischen Second Life und tagheller Realität durchbrechen, indem wir uns in echt begegnen und miteinander sprechen. Nur ein einziges Mal. Nicht mehr und nicht weniger. Ohne jede weitere Verpflichtung. Anschließend bist du schon mal frei von mir."
"Und von Sascha?"
"Das weiß nicht. Es kann sein, dass dafür eine weitere Vorbedingung nötig ist, nämlich dass du dich aus deiner völlig verlogenen Ehe verabschiedest. In echt, meine ich. Ich habe da die Vermutung, wenn diese beiden Dinge geschehen sind, du dich also von mir als Hauptvertreterin nicht nur der Hausfrauen und Mütter, sondern auch der Frauen, die dich immer nur reinlegen, befreit hast, du dich ferner von Barbie als Vertreterin der Glamourwelt befreit hast, dass du dann den Blick frei hast für das, was dir von Sascha entgegenkommt, dass du es durchschaust als das, was es ist, und in diesem Moment bist du endgültig frei von ihr.
Dann kannste endlich machen, wasde willst.
Du bist dann ein freier Mann. Denn mit diesem letzten Schritt befreist du dich von deinen esoterisch bedingten Abhängigkeiten, also zum Beispiel vom O.T.O oder auch von den Anthroposophen und ihrer subtilen Führung."
"Du bist nicht gut auf die Anthroposophen zu sprechen."
"Nein. Ich werde mich aus den Zusammenhängen wieder zurückziehen, allerdings werde ich nicht aus der Gesellschaft austreten. Ich möchte mit diesen Leuten, die mich hintergangen haben hinter freundlichster Fassade, jetzt erstmal nichts mehr zu tun haben."
"Warum machst du mit mir weiter?"
"Ich mache nur sehr bedingt mit dir weiter. Wir werden sehr viel reden, und ich werde dir weiterhin im Inneren helfen, so wie du mir im Äußeren zur Seite stehst. Ich schließe auch eine nähere Beziehung nicht aus, in der Echtwelt meine ich, aber dann halt auf gleichberechtigter Ebene. Und damit meine ich, dass nicht nur ich, sondern auch du wirklich frei dafür sein solltest."
"Das wird vielleicht noch einige Zeit brauchen. - Ist für dich vorstellbar, in der Zwischenzeit auf virtueller Ebene, wie du es nennen würdest, wieder´n bisschen mehr Nähe zu mir zu leben?"
"Das erscheint mir nach diesem Gespräch tatsächlich möglich."
"Es wird wirklich bewundert, zu welch genialen Schachzügen unsereins fähig ist."
"Du, da hab ich auch tagelang dran rumgegrübelt."
"Nee, die meinen, ich hätte dich schon wieder perfekt um den Finger gewickelt."
"Das wird sich ja zeigen. Ich hab das jetzt so geregelt, dass wir ohne Vorbedingungen meinerseits ein Gespräch führen können, ohne uns dabei auch nur einen Millimeter näher zu kommen, also: Hallo, war´n Sie nich mal Kanzler und meinetwegen auch: Ameli, das ja mal´n niedlicher Vorname, aber ansonsten nix außer guten Tach und guten Weech. Nix haben Sie Lust oder wir telefonieren.
Es geht erst weiter, wenn du dich von Barbie getrennt hast. Und dat kann dauern! Iss das nun genial oder isses genial."
"So. Wie sieht´s aus."
"Ich fühle mich schlecht. Aber gleichzeitig kriegte ich heute sone Art SPD-Schub und bin erstmal wieder in die Gewerkschaft eingetreten, habe mich vom Unterbezirk Oberhavel zum Bezirk Hannover umgemeldet und will auch wieder in die kommunale Arbeit einsteigen."
"Das geschieht aus eigenem Antrieb."
"Richtig. Und du legst mir hoffentlich tatsächlich keine Steine in den Weg."
"Nein, aber ich räume die vorhandenen auch nicht weg. Du bist ja immer am Rummäkeln, dass ich mich viel zu sehr in das Leben anderer Leute einmische, dass nahezu alle in der Partei in Ämtern von Schröders Gnaden sitzen, dass so keine sachliche Ebene möglich ist und so weiter und so fort."
"Das heißt, wenn ich dich jetzt richtig verstehe, die Leute in der SPD, mit denen ich zu tun kriege, die können sich fortan genauso verhalten wie ich, also nach eigenen Maßstäben handeln?"
"Das zumindest habe ich im Sinn. Ich denke nur, dass du erleben wirst, dass dieses System sich nicht ändert, nur weil der Kopf seinen Herrschaftsanspruch aufgibt."
"Das erscheint mir plausibel. Deshalb werde ich mir auch die Adressen der niedersächsischen Ortsvereine zulegen."
"Das, was du vorhast, ist ein völlig aussichtsloses Unterfangen."
"Ich sehe das genauso wie du. Aber es entsteht bei so einem Versuch, wenn man ihn nur ernsthaft genug betreibt und einfach nie aufgibt, gleichzeitig ganz viel anderes. Dinge, die wir jetzt noch nicht sehen können. Es kann sein, dass wir in einem Jahr ganz woanders stehen."
"Kann aber auch sein, dass du dann immer noch im völligen Abseits stehst."
"Das kann sein, aber ich werde ungeheuer viel hinzugelernt haben und in einigen weiteren Startlöchern sitzen. Ich werde meine Position gefestigt und ausgebaut haben."
"Du bist irgendwie sehr bescheiden."
"Ja, bin ich auch. Für mich ist die größte Freude zu erleben, wie Menschen frei werden, wie sie anfangen, ihre Freiheit mit eigener Kreativität zu erfüllen, eine Kreativität, von der sie oft gar nicht wussten, dass sie sie überhaupt haben. Mich interessiert halt der soziale Prozess. Und in der Richtung, glaube es mir, Alter, in der Richtung wird sich ne Menge tun."
"Du bist also mit meiner Vorgehensweise, dich nicht zu pushen, einverstanden."
"Ja. Voll und ganz. Und wo wir gerade bei Pushen sind, will ich noch kurz´n kleinen Irrtum aufklären. Wann wir uns zum ersten Mal in echt unterhalten, wann die Zeit dafür reif ist, das entscheiden wir beide ganz allein. Da lassen wir uns von niemandem pushen und pushen uns auch nicht gegenseitig."
"So ist es. Wenn die Begegnung ihren Zweck erfüllen soll, dann braucht das noch einige Zeit. Ich brauche Zeit, du aber auch."
"Genau, machen wir also kein Drama daraus."
"So, dann hätten wir noch das Thema Frauenquote in Aufsichtsräten. Was sagst du dazu?"
"Ich kann da nichts Definitives vekünden, sondern nur son paar Gedanken äußern.
Zunächst haben wir ja ein grundsätzliches Problem in den Aufsichtsräten, nämlich dass dort jede Menge branchenfremde Leute sitzen. Da stellt sich aus meiner Sicht zum ersten Mal die Sachverstandsfrage. Das kann man natürlich auch anders sehen, indem man sagt, dass hier die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse wichtiger sind als die branchenspezifischen, also es ist einfach ne Frage. Es ist für mich auch ne Frage, wie es kommen konnte, dass all diese Banker nicht auf die Idee gekommen sind, ihren Immobilienbesitz im Wert zu steigern. Ja, das zielt in die gleiche Richtung. - Man könnte also auch mal über die Quote derer nachdenken, die in Aufsichtsräten aus der Branche kommen müssen, auf Arbeitgeberseite meine ich.
Nun die nächste Frage: Wenn im Bereich Bauingenieurswesen oder Elektrotechnik nur so circa fünf Prozent der Studierenden Frauen sind, dann liegt das mit Sicherheit auch am Desinteresse der Frauen für diese Berufszweige. Es führt aber dazu, dass eine 30 %-Quote im Prinzip auf einen weitaus geringeren Pool an potenziellen Bewerberinnen um nicht zu sagen Fachkompetenz zurückgreifen kann. Das hat dann zur Folge, dass diese Regelung für Frauen nach hinten losgehen könnte, indem sich das Vorurteil verfestigt, dass Quotenfrauen weniger Ahnung als ihre männlichen Kollegen haben.
Würde man in meiner Logik bleiben, dann müsste man die Quote in etwa dem Proporz zwischen Männern und Frauen in dem jeweiligen Berufsfeld anpassen. Das heißt zum Beispiel im schulischen Bereich eine sagen wir mal 50 %-Quote für Oberstudiendirektorinnen, eine 80 %-Quote für Rektorinnen an Grundschulen und so weiter. Man müsste es meiner Ansicht nach aber auch nicht übertreiben, sondern eigentlich ist grundsätzlich eine 50 %-Quote recht vernünftig, die halt nur dort unterschritten werden sollte, wo wirklich signifikante Missverhältnisse im Geschlechterproporz vorhanden sind.
Also, ich denke, es wird noch ungefähr 100 Jahre dauern, bis wir 50 % männliche Kindergärtnerinnen haben, wenn ich mal diese altmodische Berufsbezeichnung gebrauchen darf. Es kann halt auch einfach sein, dass wir diese >ausgewogenen< Verhältnisse nie kriegen, weil einfach die beruflichen Neigungen nicht ganz geschlechtsneutral sind. Das ist dann halt das Leben und kein Beinbruch - aus meiner Sicht."
"Dir war aufgefallen, dass der Prozentsatz der Frauen, die technische Berufe studieren, in den islamischen Ländern höher ist als bei uns."
"Tja, wie könnte man das erklären? Aus dem islamischen Gesellschaftsmodell ja wohl kaum. Ich kann da auch nur eine Vermutung anstellen.
Es könnte sein, dass da ein Inkarnationsstrom vorliegt von Menschen, die in ihrem vorigen Leben was ganz anderes gemacht haben. Es könnte sich um ehemalige Angehörige des mittelalterlichen christlichen Klerus handeln, die nun gänzlich neue Erfahrungen machen möchten. Das meine ich mit Das-ist-dann-halt-das-Leben. Oder noch anders gesagt: Zum Ausgleich, weil sie früher mal unschuldige Frauen gefoltert und auf den Scheiterhaufen gebracht haben, müssen sie heute in Sack und Asche gehen und ihr schönes Haupthaar mit Schleiern verhüllen. Wenn sie das nun partout so haben wollen, dann sollte man sie mit ihren Wünschen auch ganz sich selbst überlassen."
"Ich habe heute Post vom Amtsgericht erhalten. Der Beschluss lautet auf Einrichtung eines Einwilligungsvorbehaltes in Vermögensangelegenheiten. Also vollständige Entmündigung."
"Das hat dich erstaunlich wenig gekratzt."
"Das ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass ich mein Verhalten ändern muss."
"Inwiefern."
"Nun, du hast mir garantiert, dass dieses Verfahren im Endeffekt anders ausgehen wird. Ich werde Widerspruch einlegen und ich erwarte, dass du deine Zusage einhältst. Ich erwarte ferner die Beendigung des Betreuungsverfahrens und der Schuldensituation. Besteht deine Garantiezusage weiter?"
"Die besteht."
"Gut. Dann werde ich mich jetzt von dieser Plattform weitgehend zurückziehen, also nur noch dringliche Warnungen von mir geben oder ähnliches. Es wird keinerlei Statements mehr zu tagesaktuellen Themen oder philosophisch-esoterische Blütenträume geben. Was sagst du dazu?"
"Das ist doch ganz in deine Freiheit gestellt. Ich werde dir auch da keine Steine in den Weg legen."
"Es ist beruhigend, das von dir zu hören. Ich wünsche dir alles Gute für die nächste Zeit."
"Dito."