"Die Zecken haben einen Gruppenbeschluss gefasst. Sie haben sich entschieden, die Anthroposophische Gesellschaft zu zerstören."
"Davon habe ich noch gar nichts mitgekriegt."
"Du bist ja auch nicht Mitglied. Aber was denkst, werden sie das schaffen?"
"Wenn sie es konsequent durchziehen, kann das alles sehr schnell gehen. Schulden, Unregelmäßigkeiten, Verstärkung der offiziellen Gegnertätigkeit von außen."
"Können die einfachen Mitglieder deiner Ansicht nach was dagegen tun?"
"Das ist eine sehr gute Frage, auf die ich noch keine Antwort habe. Weißt du eine?"
"Ja. Ruhe bewahren. Es sieht wahrscheinlich alles viel schlimmer aus, als es in Wahrheit ist. Es kann sogar sein, dass sie uns allen einen sehr großen Gefallen tun und wir in Kürze eine von denen so gar nicht gewollte Auferstehung der Gesellschaft erleben. Und damit meine ich keine Neukonstituierung. Wir sind momentan nicht im Einklang mit der Zeit, also unsere Seite. Wir haben vier Wochen Vorsprung."
"Es kann auch ein Vorteil sein, nicht im Einklang mit der Zeit zu sein."
"Es kommt halt immer darauf an, von wo man guckt."
"Oh, ich seh grade, die Zecken haben Geld von meinem Konto runtergesaugt. Wird sich im Endeffekt auf circa 400 Euro belaufen. Ich hatte ja versucht, über einen Ratenkauf bei Real an einen neuen Fahrradanhänger, eine Tischbohrmaschine und eine Dekupiersäge zu kommen. Und ich kann wahrscheinlich nicht nachweisen, dass ich die Ware nie erhalten habe, oder?"
"Das noch nich alles. Du hast Strom- und Trinkwassersperre. Und, bist du jetzt sauer?"
"Nicht mehr als ohnehin schon. Falls du meinst, ob das ne Provokation für mich darstellt."
"Das war der Hintergrund meiner Frage. Wirst du deswegen etwas unternehmen."
"Ja."
"Was."
"Na, hier."
"Was hier."
"Ich hab´s hier hingeschrieben. Der Rest ergibt sich von ganz allein."
"Was bedeuten vier Wochen Vorsprung?"
"Das genau zu definieren, also nicht nur öffentlich, sondern auch für sich selber, wäre dumm. Aber man kann es umreißen. - Ich erinnere mich, dass ich früher des öfteren drei Tage Vorsprung hatte. Dieser Vorsprung verschaffte mir Luft, Alltagsdinge besser regeln zu können, schmolz allerdings auch immer wieder dahin. Jetzt ist es so, dass meine Alltagsdinge zwar so ein bisschen liegen geblieben, aber leicht aufzuholen und vorsprungstechnisch unerheblich sind. Im Grunde genommen haben wir so gründlich am "Wegesrand" aufgeräumt und gleichzeitig eine Technik des Permanent aufräumens entwickelt, dass wir anfangen können, schnell zu sein, also unseren Vorsprung zu vergrößern. Ich sage nicht, dass das einfach ist, aber es ist halt möglich, und deshalb werden wir das auch tun."
"Aber was heißt schnell sein?"
"Schnell sein heißt auch, unumstößliche Tatsachen zu schaffen und den Bereich dessen zu vergrößern, in dem endlich die Erscheinungen der Dinge beginnen, das zu sein, als was sie erscheinen. Also die große Lüge zu dezimieren. Die Lüge im Sprechen, die Lüge im Denken und Handeln, ja, die Lüge des Seins überhaupt. Jedes kleine Erlebnis dieser neuen Wirklichkeit ist für den einzelnen, der davon betroffen ist, befreiend und wohltuend."
"Und bezogen auf die Zecken heißt das."
"Sie werden sich auch in zwei Teile spalten."
"Das hätten sie doch schon längst tun können."
"Nein, zuerst mussten wir uns kollektiv durch aus ihrer Sicht unterhalb ihres Bewusstseins liegende Schichten hindurcharbeiten. - Reden wir von Petrus, der auch eine Inkarnation Manis gewesen ist. Der Christus sprach zu ihm: Ein anderer wird dich gürten und dahin führen, wohin du nicht willst. Das ist die Ankündigung seines Sturzes in die Finsternis. Über Johannes sagt er: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich wiederkomme, was geht es dich an? Damit sagt er: Hier ist einer von euch, der wird nicht stürzen. Er sagt das nur von Johannes. Und so ist es tatsächlich auch gekommen. Einer musste treu bleiben, wobei nicht zählt, ob dieser Mensch auch Anfechtungen ausgesetzt war und diese oft nur tölpelhaft oder angstbesessen oder mit letzter Kraft oder sogar gar nicht mehr aus eigener Kraft, sondern nur mit Gottes Hilfe heile überstanden hat. Was zählt, das ist die Tatsache, dass er es faktisch jedesmal hinbekommen und sich damit die Aussage des Christus bestätigt hat. Aber all das ging die anderen gar nichts an. Sie mussten ganz offensichtlich in die Finsternis. Und wenn man genau hinschaut, dann geschah das im Auftrag des Christus. Auch Mani musste das.
Nun stürzt man ja unterschiedlich tief, je nach dem wie hoch man gestanden hat. Drehpunkt ist das Ich. Habe ich das Engelbewusstsein erlangt, dann kann ich nur eine Stufe unter das Ichbewusstsein stürzen, also auf die Tierstufe. Das heißt, ich begabe das Tier in mir mit Engelskräften. Habe ich zuvor auf der Erzengelstufe gestanden, so falle ich auf die Pflanzenstufe und begabe den niederen, in gewisser Weise physischen Teil meines Ätherleibes mit Erzengelfunktionen. Und so geht es weiter. Ganz einfach und grob gesagt stehen die allermeisten Satanisten auf der negativen Engelstufe, die Hexen auf der negativen Erzengelstufe und die Manichäer auf der negativen Archaistufe.
Es geht ja gegenwärtig darum, diejenigen, die das wollen, von ihrer sturzbedingten Bewusstseinsverdunkelung zu befreien. Das musste der Ordnung halber bei den Satanisten beginnen und zu den Manichäern hinführen. Das heißt aber auch, dass der Ordnungsprozess, den die Satanisten durchlaufen haben, auch von den Hexen und Manichäern absolviert worden ist. Die Bewusstseinsschichten der negativen Engel- und Erzengelsphäre sind bereits erlöst. Wäre dies nicht so, gäbe es keine Chance, an das Manichäerbewusstsein heranzukommen. Man muss sich das so vorstellen, als sei ihr Reich von drei Mauern mit jeweils einem Tor darin umgeben. Die Tore der beiden äußeren Mauern stehen offen. Das innerste Tor ist noch verschlossen, aber wir können bereits Einblicke nehmen, von außen nach innen und umgekehrt.
Die Manichäer haben ein völlig vernebeltes Bewusstsein, was sie zum Teil zwar wissen aufgrund der Erlösung ihrer "niederen" Bewusstseinsschichten, was sie jedoch - und da liegt das Problem - nicht [b]fühlen[/b] können. Der Nebel wird erzeugt durch eine Überschwemmung mit den Kräften der physischen Welt. Man kann auch sagen, ihr Denken ist Materie geworden, weshalb sie einen Kosmos anstreben, in welchem Denkbewegungen und Bewegungen in der Materie einander gleichkommen. Stellen wir uns das vor: Ich denke, und es geschieht. Das wäre für unsere Welt die absolute Katastrophe, wenn das jeder könnte. Es würde nur eine Sekunde dauern, und alles läge in Schutt und Asche. Es muss also aus manichäischer Sicht ein einheitliches Bewusstsein angestrebt werden, dessen Teilhabende letztlich nur ausführende Organe sein können, damit das äußere Gleichgewicht nicht zerstört wird. Wir kommen da zurück in dasjenige, was Steiner als diesen frühen Zustand beschrieben hat, als es noch ein Geistesmeereswesen gab, in welches das Einzel-Ich integriert war wie ein Wassertropfen im Ozean. Dieses Einzel-Ich war vollkommen unselbständig.
Ein solcher Zustand ist Grundvoraussetzung des manichäischen Kosmos. Würde dieser Zustand tatsächlich erreicht werden, so würde das für das Einzel-Ich bedeuten, dass es - zumindest aus anthroposophischer Sicht - noch einmal von vorn damit anfangen müsste, die Empfindungsseele als Voraussetzung für die Bewusstseinsseele zu entwickeln. Es müsste wieder ein Luzifer kommen und das Weib verführen. Es müsste erneut ein Christus kommen, um die Menschen aus ihrem durch den Freiheitsdrang ausgelösten Zerstörungswerk zu erretten.
Wer weiß, vielleicht wurde der sogenannte Sündenfall, also das Herausgliedern der Einzel-Iche aus dem einheitlichen Ichgrund damals auch mit dem Leiden unzähliger Wesen bezahlt?
Vielleicht ist dies, was die Manichäer so voller Kälte und Gewissenlosigkeit anstreben, eine Spiegelung des damaligen Vorgangs. Vielleicht liegt darin auch der Grund, warum es ihnen so völlig egal ist, was mit anderen Menschenseelen geschieht. Weil das doch normal ist, das die einen absteigen, während die anderen aufsteigen."
"Ist das denn nicht tatsächlich so?"
"Nein, das ist es nicht. Normal oder sagen wir richtig und so weiter ist es, wenn das Ich die Leiden, die ein Aufstieg mit sich bringt, selber auf sich nimmt. Deshalb braucht es auch eine unvollkommene Erde mit einer Unzahl an Erschwernissen und Hindernissen, also was da angedeutet wird mit dem Satz: In Mühsal sollst du dein Brot essen. Wohlgemerkt: In Mühsal, nicht in Barbarei! In diesem Satz steckt nichts Strafendes oder Missgönnendes, sondern eine Notwendigkeit. Und es hat bereits eine reguläre Weiterentwicklung gegeben, nämlich dass wir, wenn wir die Verhältnisse auf der Erde richtig einrichten würden, mittlerweile einen harmonischen Zusammenklang von Mühsal und Genuss haben könnten. Wenn wir nur lernen, den technischen Fortschritt in der richtigen Weise anzuwenden.
Nun guck dir diese Manichäer an! Sie sind aufgrund gewisser Übungen unfähig geworden zu leiden. Sie empfinden keinen Schmerz mehr, keine Trauer, keine Angst. Mitleid sowieso nicht. Sie sind wie Steine, von völliger Gleichgültigkeit übermannt.
Meine Mutter hat immer gesagt: In meinem nächsten Leben möchte ich ein Stein sein.. Damit wollte sie zu Ausdruck bringen, dass das Leben nicht schön ist.
Ein Manichäer hat nichts vom Leben. Im Grunde genommen ist er tot wie ein Stein."
"Wenn das die Wahrheit ist - und sie ist es - dann ist das furchtbar."
"Das stimmt. Aber nur aus unserer Sicht. Aus Sicht der Manichäer ist es genau umgekehrt. Aber es ist nicht hoffnungslos. Denn ein erster einzelner hat bereits vor Jahren damit begonnen, sein Herz zu erweichen."
"Was du nicht sagst!"
"Doch, es ist so. Er hat sich aus Versehen ganz furchtbar doll in eine Patientin verliebt. Und die war zum Steinerweichen in ihrer geballten Unwissenheit, Tölpelhaftigkeit und..., ja, ich sag´s ruhig mal, in ihrer unschuldigen Liebe zu ihm."
"Thema Laufzeitverärgerung."
"Da wir jetzt schnell sein dürfen, kann die SPD ab sofort ungebremst auf Neuwahlen hinarbeiten, um diesem Schwachsinn ein Ende zu bereiten. Danke, Angie!"
"Siegma iss aber´n Manichäer."
"Siegma will aber nich mehr."
"Und du glaubst ihm das."
"Ja, ich habe Vertrauen zu ihm."
"Warum?"
"Was sollen das sonst für Typen sein, die da als erste aussteigen? Das werden doch wohl die Rosenkreutzer sein, also die, die es am allerwenigsten nötig haben, in einer Wunderwelt glückselig zu werden. Und so einer iss Siegma hundertprozentig. Siehste das nicht so?"
"Da gehnwa Kondom. Weiter. Thema Wasser. Die Zecken kontrollieren die gesamte Wasserversorgung. Bei renitenten Anthroposophen kommt kein Trinkwasser mehr aus dem Hahn."
"Da Trinkwasser sehr günstig im Supermarkt zu haben ist, dürfte das kein Grund sein, sich einschüchtern zu lassen."
"Es wird mit einer Ausweitung der Maßnahme gedroht."
"Haben wir theoretisch genug Trinkwasser in Flaschen?"
"Das haben wir. Nicht nur theoretisch."
"Dann sollten wir uns kein Kopp machen deswegen. Wer es auch nur einigermaßen ernst meint, wird mit dieser kleinen Unannehmlichkeit leben können. Und bei Leuten, wo das Geld total knapp ist, kann einmal pro Woche Trinkwasser über die reguläre Wasserleitung geliefert werden."
"Richtig. Dann noch´n Dementi. Es gibt schon wieder Gewaltvideos von mir und einigen anderen unserer Leute im Netz. Nichts davon ist echt.
Und noch Thema Kohle. Die drehen deinem Ex die Luft ab. Iss das ernst gemeint, dass du bei Bedarf auch arm wie ne Kirchenmaus nach Freiburg wechseln wirst?"
"Ja."
"Danke, das war´s."
"Der Kimpfler denkt, er könnte von dir okkupiert werden."
"Ist wahrscheinlich die angemessene Reaktion."
"Hä?"
"Würd ich an seiner Stelle wahrscheinlich auch so denken."
"Sicher?"
"Der kennt mich doch gar nicht. Der hat doch nur was über mich gehört und mich ganz kurz kennengelernt. Und da konnte ich auch nicht ich selber sein, weil sich gleich am Anfang des Gesprächs sone Riesenlast auf mich gelegt hat. - Also, das geht schon in Ordnung."
"Der will auch nicht, dass du nach Freiburg kommst."
"Naja, ich kann ja nun nicht ihm zuliebe von da wegbleiben, wenn ich gerne in die Gegend möchte. Ne, wir hatten doch gerade gestern überlegt, dass wir bei som Wetter immer Picknick am Waldesrand machen, und wie toll das ist, dass wir da 60 Sonnentage im Jahr mehr haben als in Hannover, und wie geil das ist, dass man von da ganz schnell mal in die Alpen kann oder ans Mittelmeer."
"Das hatten wir."
"Ja, und. Willste da denn nun auf einmal nicht mehr hin?"
"Doch. Ich bin bloß total blank. Die Manichäerscheiße hat mir nun endgültig das letzte Hemd geraubt."
"Das Haus ist also auch schon wieder weg."
"Leider."
"Und wenn wir uns irgendein ganz kleines Häuschen mit Renovierungsstau an Land ziehen?"
"Selbst das könnte ein Problem werden."
"Nun iss aber gut! Wir werden ja wohl irgendne Wohnung finden, Alter!"
"Ja. Irgendne Wohnung. Ja."
"Und. Hast du Problem?
"Ich? Nee. Hast [b]du[/b] Problem?"
"Ich? Auf gar keinen Fall hab ich Problem."
"Also Freiburg."
"Yes. That´s it."
"Was würdste denn dem Kimpfler noch sagen wollen."
"Der hat mir so furchtbar leid getan. Da wollte ich ihm eben ganz doll helfen. Entschuldigung."
"Noch was."
"Ja. Es ist irgendwie ein Missverständnis, dass ich was Großes plane. Ich habe in Wahrheit mit allem, was nach Projekt riecht, 2005 vollständig abgeschlossen. Es interessiert mich alles gar nicht mehr. Ich werde auch nie eine Schule gründen. Das weiß ich schon seit 10 Jahren oder so. Da habe ich nämlich geträumt, wie ich im Liegestuhl in der Sonne lag und anderen Leuten beim Schule gründen zugeguckt habe - völlig tatenlos und ohne jegliche Führungsverantwortung. Ich weiß auch nicht, was aus dieser Spielzeugproduktion werden soll. Du bist mir viel wichtiger als all diese Sachen. Da weißt du."
"Ja, haste oft genug gesagt."
"Vielleicht endet es so, wie mein Ex-Mann vor drei Jahren zu mir gesagt hat."
"Was hat der denn gesagt?"
"Der hat gesagt: Das Beste, Ameli, das Beste für dich wäre, wenn du einfach nur ganz viel malen würdest. Was soll ich denn malen, habe ich gefragt. Da hat er gesagt: Mal Landschaften. Das wäre wirklich das Allerbeste für dich."