Zugegeben - mit Demokratie hat das immer noch nicht viel zu tun wenn Bürger lediglich über die Wahl oder Abwahl eines Kandidaten entscheiden dürfen; und doch ist es ein riesiger Schritt in die richtige Richtung.
Warum? Weil es bislang noch NIE zu einer, vom Volk initiierten direkten ABwahl eines Politikers in Deutschland gekommen ist.
Üblicherweise darf das Wahlvieh in diesem Land lediglich die eine Pappnase durch die nächste ersetzen und zwar immer nur dann, wenn die entsprechende Amtszeit des jeweiligen Politikers abgelaufen ist oder er freiwillig seinen Hut genommen hat. Und dabei bekam (und bekommt) es auch noch eine sehr stark eingeschränkte Vorauswahl präsentiert.
Noch nie hatten Menschen in diesem Land die Möglichkeit, frei zu bestimmen, daß ein bestimmter Politiker gegen dessen erklärten Willen abgesetzt wird.
Eigentlich wäre das eine Selbstverständlichkeit wenn man diesen Politiker (politisch korrekt) als Vertreter des Volkes betrachtet. Das kann er nämlich nur sein solange das Volk ihn auch will.
Umso bedeutsamer, daß es derartige Abwahlen in Deutschland praktisch nicht gibt.
Auf Bundesebene wären sie gar unvorstellbar. Hier kann das Volk ja nicht einmal bestimmte Personen (etwa einen Bundeskanzler, einen Außenminister oder einen Verteidigungsminister) wählen, geschweige denn abwählen.
Daß es aber selbst auf Kommunalebene so schwierig ist, sagt viel über das politische System und die Politkaste in Deutschland aus.
Es hat ganze 1 1/2 Jahre gedauert bis die Abwahl endlich stattfinden konnte und die gesetzten Hürden waren deutlich höher, als bei einer normalen Wahl.
Trotzdem sehe ich darin einen kleinen Erfolg. Nicht, daß ich sauerland als Schuldigen des Loveparade-Desasters betrachte - ich will nur klarstellen, daß das Volk [b]grundsätzlich [u]immer[/u][/b] im Zweifelsfall das letzte Wort zu haben hat.
Das stimmt. Wenn der Mensch allerdings einen Funken Anstand im Leib haben würde, wäre er bereits freiweillig abgetreten...
Nicht, daß ich sauerland als Schuldigen des Loveparade-Desasters betrachte
Mitschuldig aber bestimmt, oder nicht ??
...egal, trotzdem, gutes Zeichen.
Mitschuldig aber bestimmt, oder nicht ??
Naja, klar. Wenn man als Stadtverwaltung immer die letzte Entscheidung bei solchen Veranstaltungen für sich in Anspruch nimmt, dann ist man natürlich auch für die Folgen mitverantwortlich.
Und wenn man sich als Chef der Stadt sieht, dann ist man auch für die Entscheidungen der Stadtverwaltung verantwortlich.
Was ich oben sagen wollte ist, daß ich wesentlich mehr Schuld bei der Polizei sehe, als bei der Stadtverwaltung. Die Stadtverwaltung ist in meinen Augen nur ein unfähiger Großkotz, der alles entscheiden will und sich in nichts auskennt - ein passiver Schuldiger. Aber die Polizei ist in meinen Augen aktiv mitschuldig. Und da sie dem Land unterstellt ist, hatte Sauerland auf sie keinen Einfluß.
Wenn ich an die Bilder denk und vor allem das es von vorn herein klar war das sowas passieren mußte... da sträuben sich mir heut noch sämtliche Nackenhaare.
Da stellen sich mir heut noch Fragen... die ich für mich zwar beantworten kann, sie aber den Rahmen meiner Vorstellungskraft sprengen...
Aber, anderes Thema. Das dieser Typ endlich weg ist war jedenfalls überfällig, auch wenns zu spät kommt.
Um mal kurz bei dem Thema zu bleiben, obwohl ja eigentlich Off Topic, kann ich nur wiederholen, daß in meinen Augen das Grundproblem darin liegt, daß man in Deutschland jeden Pups genehmigen lassen muß.
Doch dann muß auch gelten: Wenn ich jeden Pups von der Stadtverwaltung absegnen lassen muß, dann muß ich mich auch darauf verlassen können, daß sie die Risiken abwägt und für genügend Belüftung sorgt. Wenn es dann immer noch stinkt, ist das nicht mein Problem.
Mit anderen Worten: Die Verantwortung, die alleinige Verantwortung sollte in meinen Augen grundsätzlich bei denen liegen, die Erfahrung damit haben, nämlich bei den Veranstaltern. Wenn das so gehandhabt würde, dann wäre die Schuldfrage klar: Schaller wäre schuld.
Aber:
Schaller konnte doch ohne Absegnung der Stadtverwaltung nicht mal auf's Klo gehen, geschweige denn ein Event organisieren. Und wenn ich alles kontrollieren will und alles davon abhängig mache, daß nix läuft ohne mein O.K., dann bin ich schuld und nicht der, von mir gegängelte Veranstalter.
Und jetzt zur Polizei: Hätten die mal auch nur ansatzweise ihr Hirn eingeschaltet wäre es wohl nie so weit gekommen. Man kann nicht einfach nur den Obermacker markieren wenn man gar nicht weiß, was los ist. Aber genau das haben die getan. Sie haben Menschen davon abgehalten, anderen Hilfe zu leisten, haben Menschen, die am Boden lagen, eigenmächtig für tot erklärt, haben die Sache [b]nach ihrem verdammten Willen[/b] zu regeln versucht wie sie es gewohnt sind (alles hört auf unser Kommando). Dabei haben sie den meisten Schaden angerichtet. Sie haben die Leute, die in Panik waren, noch zusätzlich unter Druck gesetzt, haben Wege versperrt und Menschen umgeleitet wohin man sie nie hätte leiten dürfen und haben anschließend so getan, als hätten sie alles richtig gemacht....wobei erst danach heraus kam, daß sie gar nichts richtig machen konnten weil der Funk zusammengebrochen war und sie sich gar keinen Überblick verschaffen konnten, der sie irgendeine Entscheidung hätte treffen lassen können.
In einer solchen Situation unterstützte ich doch verdammt noch mal die Menschen und behindere sie nicht noch zusätzlich. Ich helfe denen, die anderen helfen wollen und halte sie nicht unter Strafandrohung davon ab.
Leider gibt es zu dem Disaster jetzt aber noch ein Folgedisaster. Denn das Kackregime hat keineswegs aus seinen Fehlern gelernt. Nach wie vor muß jeder Pups vorher genehmigt werden....doch da man jetzt weiß, daß man im Zweifelsfall auch dafür haftbar gemacht werden kann (war ja vorher nie so), schraubt man die Anforderungen so hoch, daß sie kaum mehr ein Veranstalter erfüllen kann.
Die Anforderungen sind manchmal so grotesk, daß man eigentlich nur darüber lachen kann.
Die Lösung wäre ganz einfach: Regime - halt dich da einfach raus! Veranstalter wissen wie sie eine Veranstaltung sicher machen und sie werden es tun wenn sie dafür geradestehen müssen.